Der rga hat heute über das Thema Baumfällung in Remscheid geschrieben. Der Artikel zeigt, daß das langsame und massive Verschwinden der Wälder und der Bäume im Stadtbereich langsam ins Bewußtsein der Bevölkerung kommt.

Ich habe lange auf so einen Artikel gewartet. Denn er zeigt die Grenzen und die Möglichkeiten der neuen digitalen Medien.

Seit meinen ersten Artikel zu diesem Thema sind zwei Jahre vergangen. Damals fragte ich danach, warum spezielle Bäume sterben mussten, obwohl sie dick, gerade und gesund waren. Danach ging mir die Webseite kaputt, so daß dieser Artikel weg ist.

Vor über einem Jahr fing ich wieder an mit einem Artikel zu dem Thema. Nun ist wieder mehr als ist ein Jahr vergangen. Damals gab es böse Worte auf Twitter und dann passierte nichts.

Es war kein Thema im öffentlichen Raum und auf Twitter sowieso nicht.

Mit der Waldgenossenschaft 2.0 und dem Posten der PR im WDR Fernsehen und dann in den lokalen Medien und Blogs kam das Thema „Wald“ vor als Chance der Vermarktung.

Aber mir fehlte überall der Blick dahinter.

Deshalb packte ich das Thema wieder an mit Fragen zum Hintergrund.

Und es passierte nichts.

Ich schrieb damals auch die lokalen Parteien per Email an und informierte sie über den Artikel.

Ich bekam keine Rückmeldung und die Fragen sind bis heute noch offen.

Dann ging es weiter.

Ich hatte das Gefühl überall wurde gefällt was das Zeug hielt.

Ich diskutierte bei meinen Spaziergängen und viele schauten überhaupt im Wald und auf der Weide hin.

Das war der erste Schritt zur persönlichen Bewußtseinsbildung.

Bäume sind Leben.

Jeder von uns braucht einen Baum, der 70 Jahre alt ist, um die eigene CO2 Bilanz auszugleichen.

Als in Lennep die Bäume fielen und direkt danach der Stadtpark nach Tabula rasa aussah, wurde es ein aktuelles Thema in anderen lokalen Blogs und Medien.

Ich hatte für den Artikel zum Stadtpark und den Punkten und andere Artikel an den Tagen danach plötzlich jeweils mehr als tausend Leser – mehr als sonst – und dann überschlugen sich die Ereignisse als die dicken Bäume auf Mannesmann sterben mußten.

Plötzlich war es zu einem öffentlichen Thema gworden, weil es in den Medien und in den Köpfen war und hängenblieb.

Das hätte ich allein nicht geschafft.

Ich glaube, daß dies zeigt, wo Grenzen und Möglichkeiten des Bloggens liegen. Der RGA ist federführend in Remscheid aber die vorhandenen bloggenden privaten digitalen Medien können etwas tun in ihrer Freiheit, was für eine Bürgerkultur und eine Demokratie wichtig ist: sie können ein Thema so öffentlich darstellen und vernetzen, daß in der Vernetzung daraus ein  Thema für alle Medien werden kann. Das ist die neue Öffentlichkeit, die alle Medien für die Nutzer gleich benutzbar macht.

In den Wupperseiten denke ich ja weiter. Gemeinsam mit vielen anderen ausserhalb von Remscheid wurde das Baumfällen ein Thema für die Region. Wir nutzten Twitter, weil uns Facebook nicht gefällt.

In Wuppertal müssen ja hunderte von „Gefährenbäumen“ weichen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Durch die Vernetzung und schnelle Information ergaben sich viele neue Kontakte und ein Informationsaustausch, der erstmals so war, wie ich ihn mir für die Wupperseiten immer gewünscht habe. Mehr kann man als Einzelperson nicht leisten, zumal in der aktuellen Situation.

Aber die vielen Einzelnen zusammen erweiterten in diesem Miteinander ihren Horizont.

Das war toll.

Doch hier zeigen sich auch die Grenzen und man sollte sich auf keine Illusionen machen. Publizistik ersetzt keine Politik. Genau wie ein Like auf Facebook kein Kampf gegen Hunger ist.

Die Bäume wurden alle gefällt und die Luft wird dadurch nicht besser sondern schlechter.

Ich glaube nicht, daß die Kommunalpolitiker hier und in Wuppertal schlechte Luft einatmen wollen. Ich glaube eher, daß man daraus lernen kann.

Denn 70 Jahre alte Bäume brauchen 70 Jahre bevor sie 70 sind und richtig viel Sauerstoff produzieren. Solange lebe ich nicht mehr. Und wenn man dann 20 oder 30 Jahre alte Bäume abholzt, fängt alles von vorne an. Da kann man besser einfach mal in den Innenstädten mehr stehenlassen.

Es geht hier ja nicht um das Zeigen von ein paar wenigen Bäumen sondern darum ein Verhältnis zwischen immer mehr Autos und LKW-Verkehr auf den Strassen neben den Wohnhäusern mit dem Bedürfnis nach sauberer Luft, Erholung vor der Haustür und vielem mehr zu koppeln.

Aber wenn die Erholung vor der Haustür so aussieht, daß ich erst ins Auto steigen muß, um genügend dickere Bäume und Parks zu finden, dann konterkariert sich die Erholung von selbst.

Und es geht um ein anderes Denken.

Wenn ich sehe, daß ein Baum krank wird und sterben wird, dann kann ich denken, wenn ich ihn sofort absäge kriege ich für das Holz noch Geld. Oder ich denke anders und sage mir, ich kann den Baum noch zehn Jahre oder länger stehenlassen, weil er so lange in alter Würde und ohne aktuelle Gefahr seine visuelle, energetische und unterstützende Wirkung hat für Tiere und Menschen.

Das ist der Unterschied.

Ich hoffe, das Bewusstsein und der Impuls, doch zu fragen, was und warum da geschieht, ist in viele Köpfe eingekehrt.

Denn die Zukunft machen wir jetzt gerade – für uns und die Jüngeren unter uns.

Für Remscheid freue ich mich, daß wir ein Bewußtsein für dieses Thema im öffentlichen Raum schaffen konnten, obwohl wir bis jetzt als „alte“ und „neue“ Medien sowieso nicht miteinander sprechen sondern eher nebeneinander schreiben und fotografieren oder sogar bewußt nicht wahrgenommen werden wollen.

Daher möchte ich diesen Weg benutzen, um mich bei allen für das unbewusste Miteinander zu bedanken. Vielleicht führt es dazu, daß wir etwas mehr von unserem Wald, unseren Bäumen und unserer Luft und Erde retten hier vor Ort, dort wo wir wohnen – und leben.

Und ich möchte so alle Lorbeeren verteilen an die, die sich angesprochen fühlen und hoffe,  er/sie/es macht weiter.

Michael Mahlke