Der öffentliche Raum ist großzügig gedacht das, was für uns alle da ist.

Dort verbringen wir auch unsere Lebenszeit. Er wirkt auf unser Denken und Handeln, deshalb ist die Auseinandersetzung mit ihm so wichtig. Ebenso wie die Frage, ob er teilweise privatisiert werden soll. Denn dann verlieren wir die Rechte daran und die Nutzung ist nicht mehr gemeinwohlorientiert.

Das soziale Leben im Bereich der Wupperseiten ist vielfältig und findet oft im öffentlichen Raum statt.

Weil das Sein (u.a. der öffentliche Raum) dabei auch das Bewusstsein (soziales Verhalten) bestimmt, gibt es hier Fotos über das Sein und das Ergebnis des Bewusstseins.

Das ist aber wieder etwas anderes wie Veranstaltungen für die Öffentlichkeit oder Presseerklärungen für die Öffentlichkeit.

Über diese kann man auch berichten. Sie können auch im öffentlichen Raum stattfinden, müssen es aber nicht.

Das ist dann die Nutzung des öffentlichen Raumes.

Denn wo viele Plätze sind, an denen sich Menschen treffen können, kann auch schöne und vielfältige soziale Kommunikation entstehen.

nicht in Remscheid sondern in Wien – leider Foto: Michael Mahlke

Da wo viele Parkanlagen sind, ergeben sich viele soziale Kontakte mit hoher Qualität auf gleicher Ebene ohne finanzielle Voraussetzungen.

Gibt es aber nur private Einkaufshäuser und wenige oder keine Parkanlagen, dann kann man sich nur beim Einkauf treffen und das Gespräch endet spätestens an der Kasse.

Das sind soziale Kontakte anderer Qualität.

Wenn man dann nicht in den Park geht sondern in soziale Netzwerke, dann sind dies wieder andere „Kontakte.“

Das allein hat also je nach Struktur des öffentlichen Raumes völlig verschiedene soziale Auswirkungen.

Die Fotos hier zeigen den Wandel, der gerade abläuft, die Texte zeigen Zusammenhänge auf.

Insofern ist dies hier auch eine Fotodokumentation (Gruß an die Stadt Wuppertal).

Aber es ist eben auch mehr, weil hier nicht beziehungslos Fotos von allem erstellt werden, sondern speziell Fotos des öffentlichen Raumes und seiner sozialen Resonanzen.

Und es erfolgt eine übergreifende Einordnung.

Die Wupperseiten sind nicht lokal, sie sind interlokal oder überregional und blicken über den Tellerrand.

Was ist mir dabei besonders aufgefallen?

Auffallend dabei war und ist für mich der selektive lokale Blick, der überall vorherrscht. Es gibt kein bergisches Miteinander. Und der WDR als steuerfinanziertes Massenmedium hat es nicht geschafft, seinem Auftrag gerecht zu werden, ein echtes Regionalfernsehen aufzubauen, das dies alles überwindet.

Zudem muß man sich die Frage stellen, wieso ein Remscheider nach Wuppertal zu den Barmer Anlagen fahren muß, um einen schönen Park zu haben (bei schlechten Busverbindungen), obwohl es in Remscheid ebenso spendable Bürger gab, die dafür sorgten, daß es dort einen schönen Stadtpark gab.

Der ist mittlerweile aber eher eine Hiphop-Wiese geworden obwohl dafür eigentlich der Schützenplatz gedacht war und ist. Das ist dann eben der Punkt, den ich kritisiere und anders sehe als die, die in Remscheid entscheiden, weil ein Park eine gestaltete Naturlandschaft für Tiere und Menschen ist und kein Eventort.

Aus all dem Gesehenen ergibt sich dann auch der Blick auf die eigene Lebenszeit und das eigene Lebensumfeld.

Und das macht dies hier unglaublich interessant.

Foto: Michael Mahlke

Allein dieses eine Foto spricht doch Bände über die Gestaltung des öffentlichen Raumes und die sozialen Kontaktmöglichkeiten. Und wenn dann Menschen ihr Geschäft öffentlich oder im Treppenhaus verrichten, kann man dies nicht kritisieren, weil es keine öffentlichen Toiletten gibt.

Genau darum geht es: dies zu zeigen (und dadurch auch zu dokumentieren).

Hier zeigt sich oft die Wirklichkeit, die eigentlich durch Maskeraden mit Worten verschleiert wird.

Der öffentliche Raum bietet die Chance,

  • die Diskrepanz zwischen der „offiziellen“ und der vorhandenen „echten“ Wirklichkeit mit ihren  Wirkungen auf die Menschen darzustellen,
  • Widersprüche zu zeigen
  • sowie die Folgen interessegeleiteten Handelns festzuhalten.

Sicherlich ist dabei auch die Hoffnung, ein Bewußtsein für Verbesserungen entstehen zu lassen.

Dies fotografisch festzuhalten und zu veröffentlichen und darüber auch zu schreiben ist dann der Weg.

Remscheid bräuchte neue grüne Treffpunkte für alle in allen Stadtteilen. Gerade für die Begegnungspunkte vor Ort mit kleinen Plätzen für die Seele und die soziale Kommunikation wäre Wien ein guter Ideengeber, sozusagen zwischen den parkenden Autos.

Wer beispielsweise in Ehringhausen wohnt hat keinen Treffpunkt mehr. Er/sie kann rausgehen und in den Wald. Das war es. Wenn es hochkommt kann man sich noch auf den Kinderspielplatz in Ehringhausen setzen, der im Hintergrund hinter dem Toilettenhäuschen für Busfahrer zu sehen ist. Das war es aber dann. Einen gemütlichen Treffpunkt gibt es nicht.

Man könnte sogar so weit gehen zu fragen, ob in Remscheid bewußt architektonisch so vorgegangen wurde, um den Menschen die Begegnungsorte ohne finanziellen Eintritt zu nehmen und sie aus dem öffentlichen Raum zu verbannen.

Sie müssen dann Geld in die Hand nehmen, um in einem Einkaufsladen und einem Cafe zu sitzen auf privatem Gelände, um Menschen zu treffen statt einen kleinen Park mit Sitzflächen und Kontaktmöglichkeit vor Ort zu finden.

Foto: Michael Mahlke

So lernt man noch mehr.

Der Kampf um Demokratie hat eben auch viel mit der Gestaltung des öffentlichen Raumes zu tun.

Politik ist dabei nicht alles, steckt aber in allem.

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