Obwohl immer mehr Menschen in Remscheid, Solingen und Wuppertal lieber umweltbewußt leben wollen und/oder ohne Auto leben müssen/wollen, ist dies hier sehr schwierig.

Zunehmend kooperieren nun auch die drei Städte. Wenn man sich vorstellt, daß die drei Städte auch eine Gesundheitsregion werden wollen, um bessere ärztliche Koordination zu gewährleisten, dann wird es besonders interessant.

Und dann?

Wer arm ist und ein Sozialticket in Remscheid hat, der ist in dieser Stadt am ärmsten dran. Er darf das Ticket nur in Remscheid benutzen. Der Sinn des Tickets besteht aber darin, damit das gesamt Umfeld öffentlicher und gesundheitlicher Einrichtungen und öffentlicher Verwaltung erreichen zu können. Wer aber zum Amt nach Wuppertal muß, der kommt mit diesem Ticket nicht weit. Das kostet extra.

Wer mit dem Ticket in Wuppertal wohnt, hat alles vor der Nase und daher keine Probleme. Wer in Solingen wohnt, hat alle Ämter noch vor Ort.

Wer nun mit dem Seniorenticket oder privat von Remscheid aus mit dem Bus nach Solingen will, der steht vor ähnlichen Problemen aber aus verkehrstechnischen Gründen.

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Nur einmal pro Stunde fährt ein Bus über Ehringhausen nach Solingen. Wer in Tyrol wohnt auf Remscheider Seite oder am Neuwerk auf Solinger Seite, der muß zu Fuß gehen, wenn er einmal nicht eine Stunde auf einen Bus warten wlll. Man muß dann zum Burger Bahnhof am Beverly. Dorthin führt aber kein Bürgersteig.

Es hat was, wenn Familien mit Kinderwagen auf der Strasse laufen müssen, weil man sich die 300 Meter zwischen Tyrol und dem alten Hammer nach dem Neuwerk mehrfach einen durchgehenden Bürgersteig gespart hat. Dabei wäre es so einfach und damit wären schon viele Probleme gelöst.

Die Bergische Entwicklungsagentur hat dies im Rahmen der Planung der Regionale 2006 gewußt und hätte dies mit Fördergeldern lösen können. Das ist aber nicht geschehen. Jetzt sind wir 8 Jahre weiter und es ist noch ebenso schlimm wie damals.

Aber das ist noch nicht alles. Wer in Oberburg wohnt hat wohl öfter das Problem, mit dem Bus von Unterburg nach Oberburg zu kommen – und abends?

Offenkundig ist das, was ich erlebt habe, nicht alles. Der Solinger Bote hat dazu noch mehr zu sagen.

Alles was ich hier bisher aufgeschrieben habe, ist auf das eifersüchtige KleinKlein der einzelnen Stadtwerke zurückzuführen.

Dieses Denken wird symbolisiert durch die 3-Schlösser-Toilette für Beschäftigte und gar keine Toilette für die Kunden am Burger Bahnhof.

Kundenfreundlichkeit sieht anders aus. Wenn Städte kooperieren, dann wäre es wohl sinnvoll, daß das Sozialticket ebenso den Kooperationsraum umfaßt.

Die Debatte um das Bürgerticket in Wuppertal zeigt zudem, daß noch mehr Menschen Bus fahren würden, wenn es endlich bezahlbare und attraktive Anbindungen mit Bussen im bergischen Städtedreieck geben würde.

Und Remscheid verliert trotz DOC. Denn es fehlt die Bahnanbindung nach Köln und Düsseldorf, die ja ohne Probleme möglich ist wie man in speziellen Situationen sieht. Damit ist Remscheid natürlich sehr unattraktiv für Arbeitnehmer, die ungern Auto fahren aber hier wohnen würden.

Über das „Nachtfahrverbot“ in Remscheid und die unmögliche Nachtexpressregelung vor 22.30 Uhr schreibe ich ebenso nicht mehr wie über die Zumutungen beim Schienenersatzverkehr. Kundenfreundlich ist anders.

Man muß das immer wieder mal aufschreiben, wenn man die Folgen dieser Strukturen wieder einmal live erlebt hat.

Aktuell waren es bei mir

  • eine Seniorin, die in die neue Mitte nach Solingen und zurück mit dem Bus von Remscheid aus wollte,
  • eine junge Frau, die nach Oberburg wollte und dann feststellte, sie muß den Berg zu Fuß hochgehen und
  • eine junge Familie, die auf der Strasse mit dem Kinderwagen von Tyrol über Neuwerk zum Burger Bahnhof ging

Die großen Worte und bergischen Koordinierungen mögen ja gut klingen, aber Sinn machen sie nur, wenn es bei den Menschen ankommt, die hier leben und arbeiten. Und da sieht es immer noch so schlecht aus wie vor einigen Jahren – und noch schlechter als vor vielen Jahren.