Manche Dinge werden einem erst beim Schreiben klar:

„Remscheids Fotografie ist nach meinem Eindruck ebenso wie die Öffentlichkeitsarbeit fest in der Hand von ehem. Kaufmannsfamilien und der Stadtverwaltung. Da gab es immer schon direkte oder indirekte innige Bande. So stellt Wolfgang Tillmanns als Kind der Stadt in der Städtischen Galerie aus, die ehemals der Firma Tillmanns als Geschäftshaus gehörte. Und Horst Kläuser als Journalist beim WDR und ebenfalls aus einer Kaufmannsfamilie stammend schrieb nun das Vorwort zu einem Buch, das der ehemalige Stadtangestellte Gerd Krauskopf nun über Remscheid herausgegeben hat.“

Als ich dies geschrieben hatte und dies alles auch noch mal schön dokumentiert fand, war mir klar, daß dies ein konkretes Beispiel dafür ist, wie Bilder im öffentlichen Raum auch Eindrücke enstehen lassen, die in den Köpfen zu Meinungen führen.

Deshalb sind Bilder so wichtig für den Einfluß auf die Meinungsbildung.

Es gibt aber keine Untersuchungen darüber, welche Bilder regional oder lokal besonders wirkten und Eindrücke über die Region als Aussenwirkung vermitteln.

Man kann es sich aber auch ohne Untersuchung einfach machen. Wenn man die Frage stellt, welche Fotos läßt die Bergische Enwicklungsagentur machen und veröffentlichen, dann wird schon klar, welche Eindrücke vermittelt werden sollen. Diese entsprechen vielfach nicht dem, was die Menschen täglich sehen und erleben oder wahrnehmen, wenn sie ganz real vor Ort sind.

Wir leben in einer bildverliebten Kultur (Martin Schuster). Wer fotografiert will meistens das Positive darstellen, den schönen Moment oder den schön gestalteten Moment. Da es auch um Anerkennung geht, wird ein Foto erstellt, das Lob hervorbringen soll. Damit sind wir bei den sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie.

Soziale Gebrauchsweisen gibt es natürlich auch bei den Wupperseiten. Sie sind aber nicht anti – sie sind anders.

Ich fotografiere das, was die Menschen täglich um sich herum haben (aber vielleicht gar nicht wahrnehmen) oder als Bestandteil ihres Lebens visuell angenommen haben.

Es geht um den Zusammenhang von

  • sozialer Existenz,
  • Alltagsarchitektur und
  • Leben im öffentlichen Raum

Die Wupperseiten können und wollen keine Tagespresse ersetzen sondern sind eine Art Fachpublikation für dokumentierende lokale Visualisierung.

Da immer mehr Menschen heute über Fotos auf Smartphones ihre Realität entdecken, sind Fotos heute so selbstverständlich wie das Setzen auf einen Stuhl.

Wer auf einem Stuhl sitzt und sich Fotos auf dem Smartphone anschaut er-lebt beides als Teil seiner Wirklichkeit.

Er/Sie nimmt dabei die Wirklichkeit so auf, wie er/sie sieht – auf dem Smartphone aber nicht um sich herum.

Vielleicht muß man die Wirklicheit außerhalb des Kopfes aber auch in die Smartphones bringen, damit die Menschen dann die bisher nicht gesehenen Teile der Wirklichkeit um sich herum wahrnehmen. Das gilt für soziales Miteinander, öffentliche Räume und das Verhalten darin und die Natur. Wer sich in ein Auto setzt grenzt die Natur ebenso aus wie der, der nicht um sich schaut sondern in sein Smartphone. Es ist eine Art Verschwinden des öffentlichen Raumes vor den eigenen Augen durch das Blicken auf die kleine große digitale Welt.

Ich weiß nicht, ob die Antworten so stimmen, aber damit befinde ich mich in guter Gesellschaft.

Das Projekt hat mich zu einigen Erkenntnissen und Erlebnissen gebracht.

Fotografisch:

Ich konnte ganz konkret immer vor Ort und jedes Mal einzigartig visuell dokumentieren und dabei meine fotografische Richtung erweitern. Im Spannungsfeld zwischen William Eggleston und Edward Burtynsky ist es mir gelungen, mit Wupperart (zeitlos) und Todayart (konkret und zeitgebunden) zwei Formen der Fotografie zu entwickeln, die die lokalen Motive vor Ort nutzen, die alle zufällig gesehen wurden, um das Doppelpotential der Fotografie auf meine Art darzustellen. Es ergab sich für mich aus der Frage, wie gehe ich damit um, daß es so häßliche Motive gibt, die kaum visuell zu ertragen sind. Ich gab ihnen einen goldenen Rahmen so wie schönen Dingen, weil es das ist, was Menschen direkt als Lebenswelt und Lebenszeit erleben. Dieser Prozess und seine Entwicklung mit den Ergebnissen war das besondere Erlebnis für mich. Auch hier ist der Weg das Ziel.

Sozial:

Ich habe gesehen, wie auch vor Ort interessengeleitet Fotografie erstellt und genutzt wird und zugleich auch Dinge nicht fotografiert werden, weil sie nicht gesehen werden oder werden sollen. Es geht eben um soziale Gebrauchsweisen der Fotografie. Um es ganz einfach zu sagen: keines meiner Motive oder Fotos spielt in „offiziellen“ Kreisen eine Rolle oder kommt auch nur vor, obwohl es alles Motive sind, die draussen vor der Haustür da sind, typisch sind, viele Menschen betreffen und täglich wahrgenommen werden könnten. Es ist keine Anti-Öffentlichkeit, es ist eine andere Öffentlichkeit. Da ich in Remscheid, Wuppertal und Solingen Erfahrungen gesammelt habe, ist mir auch klar geworden, wie verschieden diese drei Städte und ihre Strukturen sind. Die weltoffenste Stadt ist wohl mit Abstand Solingen, als restriktivste Stadt habe ich Wuppertal erlebt und Remscheid kenne ich so gut, so daß ich dies schon am Beginn dieses Artikels geschildert habe.

Persönlich:

Wenn man die Wirklichkeit im öffentlichen Raum fotografiert und publiziert gibt es kein Lob, wenn die Fotos nicht schön sind sondern real. Es gibt dafür das Gegenteil von Lob, nämlich Ausgrenzung. Das ist besonders bemerkenswert bei Menschen, die sich Integration und Internationalismus auf die Fahnen schreiben. Es zeigt auch die konkrete Wirkung von Fotos, die wirklich sind und es zeigt den Umgang mit den blinden Flecken. Sie sind wie Stolpersteine, anstoßend und wirkend – abstoßend nur, wenn die Motive in der Wirklichkeit so sind. Das liegt aber an der Realität. Das ist dann aus der Dokumentarfotografie bekannt, wobei ich nicht geglaubt hätte, es hier so wiederzufinden.

Journalistisch:

Wenn ich z.B. über die kulturboerse-remscheid eine Pressemitteilung erhalte und dann eine Verlinkung auf die Pressemitteilung auf der Webseite der kulturboerse-remscheid an Follower twittere und den Tweet hier darstelle, so daß sich jeder selbst direkt dort informieren kann, dann scheint das kein Journalismus zu sein im offiziellen Verwaltungsblick.  Wenn ich Fotos mache ist es bei dieser Betrachtungsweise auch kein Journalismus.

Wenn ich die Pressemitteilung auf meiner eigenen Webseite wiedergebe, dann scheint dies Journalismus zu sein. Wenn ich dann dazu noch etwas schreibe, dann scheint dies Premium-Journalismus zu werden. So hat man mir dies wenigstens immer wieder erklärt.

Finanziell:

Für mich ist Journalismus hier – im Sinne des mündigen Bürgers – eine Vernetzung von konkreten Informationen über Verlinkung anzubieten, die meisten Themen als Fotos aufzugreifen und wiederzugeben und einzelne Themen als Textartikel systematisch aufbereitet darzustellen in verschiedenen Formen. Dies kann Satire sein oder ein Sachbericht. Dazu gehört vor allem auch der fotografische kritische Blick, wie bei den Artikeln Wie Werbung wirkt oder Wo Männer noch die Welt bestimmen oder bei Entsichert.

Die meisten Anzeigen in neuen Onlinemedien von Text bis Video scheinen dort zu sein, wo „ungefährliche“ Themen wie Sport etc. zu finden sind. Dafür gibt es dann vielleicht auch eingebautes Sponsoring. So dokumentiert diese Webseite auch, daß gerade kritisches Bewußtsein und Mündigkeit ausgegrenzt werden.

Fotos wirken eben doch! Um dabei zu sein, mußt du nett sein und Hofberichterstattung vornehmen. Dann gibt es Infos,  Anzeigen und Förderung. Das läßt auch tief blicken bei der Frage von Berichterstattung überhaupt, um Meinungen zu bilden. Erkenntnis und Interesse geben Raum für vielfache Gedankenspiele.

Fazit

Wie geht es nun weiter ?

Aus der inneren Entwicklung heraus ist der erste Zyklus dieses Projektes zu Ende. Da müßte dann ein neuer Zyklus entstehen mit evtl. monochromen Welten und anderen Perspektiven. Die Bilder, die noch folgen, sind eher ein fotografischer Reflex. Aktuell läuft das Projekt daher nun langsamer.

Denn es geht ja immer weiter.

Man kann nur offen sein und Inspiration kreativ umsetzen.