Remscheid zerfleddert.

Aktuell werden nicht nur überall Bäume gefällt sondern auch Strukturen zerstört.

Dann die Sache mit Lennep. Früher schaute man, wer aus Ämtern und der Politik wo wohnt und vermutete dann, warum dort etwas geschah oder nicht geschah. Heute schaue ich da nicht mehr hin sondern blicke zu anderen Stellen.

Mein Blick wandert dann zur Alleestrasse. Vor lauter Zentren in den Stadtteilen gibt es bald kein Zentrum in der Stadt mehr. Das ist aber nicht gut, weil so die Stadt zerfällt. Honsberg wird gerade zu einem der Zukunftsstadtteile von Remscheid gemacht, weil es dort Treffpunkte für alle Bewohner gibt und dies alles öffentlich gefördert wird.

Süd ist das genaue Gegenteil. Dort gibt es keine Mitte für alle Bewohner mit Treffpunkten für Gruppen und Aussengelände. Ehringhausen lebte vom Siedlerheim und den Vereinen. Auch das ist vorbei, so daß dort bald nur eine reine Wohnsiedlung ohne Drumherum existiert.

Der Rosenhügel ist besser dran aber eben nicht für Süd sondern nur für den Rosenhügel.

Die kastrierten Busverbindungen nach 20 Uhr sorgen dann dafür, daß es kein Zentrum Süd geben kann.

So könnte man nun jeden Teil von Remscheid beleuchten auf Bewohnerfreundlichkeit.

Da gibt es sicherlich viel zu sagen, mehr als ich weiß.

Aber es geht ja um die Alleestrasse als zentraler Treffpunkt von ganz Remscheid.

Will man das noch?

Wenn man nichts macht, dann will man es nicht mehr, dann gibt es kein Zentrum in Remscheid mehr, in dem Menschen sich auch als Remscheider sehen und erleben dürfen.

Sie werden dann zu Aldianern, Lidlern, Kaufländern und Nahkäuflern, Realern etc.

Das Alleecenter reicht nicht und ist auch kein Zentrum. Daher will ich einfach noch einmal dafür plädieren, hier die Kunst mit einzubeziehen und eine Strasse der schönen Blicke zu organisieren, die den Parallelgesellschaften in Remscheid Rechnung trägt und ein Heraustreten aus der Parallele ermöglicht in einen gemeinsamen öffentlichen Raum.

Hundertwasser baute und malte so, daß niemand wußte, ob die Kuppel christlich oder islamisch oder sonst wie ist. Die Kuppel löste die Stereotypen im Kopf auf. Sie war beides oder nichts davon, denn sie war und ist einfach für die Menschen und ihre Freude am Leben gemacht worden. Und alle mögen sie.

Kunst verbindet und Kunst ermöglicht die Grenzüberschreitungen der Kulturen, die für die Begegnungen und das Miteinander so wichtig sind.

In einer visuellen Zeit sind solche visuellen Dauergestaltungen wichtig für öffentliche Räume. Das Sein bestimmt hier das Bewusstsein mit.

Wir alle wachsen in einem kulturellen Umfeld auf und erleben vielfältige Begegnungen mit anderen Menschen, die jeweils eigene Kulturen und Lebensalter mitbringen.

Kultur, Bildung, Kunst, Begegnung. Das kann der öffentliche Raum organisieren.

Am Honsberg sieht man, wie gemeinsame Zukunft in Vielfalt wachsen kann.

Auf der Alleestrasse sieht man, wie der öffentliche Raum zerfällt, wenn es nicht eine politische Aufgabe wird.

Wir haben hier in Remscheid die Akademie für musische Bildung und Erziehung und das IBK – das Institut für Bildung und Kultur.

Wir haben noch viel mehr öffentliche und private Organisationen und viel Kompetenz gerade im sozialen Bereich.

Dies alles zusammen sollte doch organisiert werden können.

Am Rosenhügel haben wir gesehen, dass sich schlagartig das Bild von trostlos zu bunt und freudig wandelt und die Menschen einfach auch mit mehr Farbe mehr Leben bekommen. Das alles verfeinert wäre doch großartig und würde das kleine Remscheid zu einem Schmuckstück machen.

Es müßte doch möglich sein, ein Projekt zu entwickeln und fördern, das mit Hilfe von Kunst und Kultur und der Kompetenzen vor Ort in Remscheid  dies alles organisiert. 2,5 Jahre dürften reichen vom Start bis zur Formulierung von konkreten Schritten, die dann umgesetzt werden müssen: Remscheid 2020.

Kulturelle Projekte müssen die Menschen zurück auf die Alleestrasse bringen, Cafehauskultur, Bildung (die VHS liegt direkt dort) und Gestaltung könnten helfen.

Wieso können nicht alle Fassaden durch Malerei in eine Hundert-Nationen-Allee verwandelt werden und dort mit Hundertwasser oder hundert Künstlern die neue Zeit auch visuell zum Zuge kommen zu lassen?

Natürlich muß mit allen gesprochen werden, muß dies alles organisiert werden. Aber genau das wäre doch gerade jetzt möglich. Und statt öffentlch geförderter Arbeitslosigkeit könnte dort dann auch öffentlich geförderte Beschäftigung einziehen, denn nun sind wir ja in dem Fördergebiet, in dem wir früher nie waren.

Ich kann mich noch erinnern als damals Hans-Peter Meinecke und Georg Gregull im Landtag waren und ich immer wieder gefragt habe, warum wir für die vielen Menschen keine Hilfe vom Land erhalten, die von den vielen Betriebsschließungen betroffen waren. Sie haben es damals in vielen Jahren als Landtagsabgeordnete nicht umgesetzt. So klaffen bis heute viele Wunden, wenn ich an die Menschen in den Betrieben denke, die genau so viel Hilfe wie im Ruhrgebiet hätten bekommen sollen. Es hat mich sehr geschmerzt, wenn ich sah wie im Ruhrgebiet viele Millionen für öffentlich geförderte Beschäftigung ausgegeben wurden und hier betroffene – meistens – Arbeitnehmer keine Unterstützung erhielten – zumal seit der Einführung von Hartz4.

Nun sind wir weiter.

Es ist in absehbarer Zeit die letzte Chance für Remscheid.

Wenn es noch den Charakter einer Stadt geben soll und Remscheid nicht zu einer Ansammlung von Urbanisationen mit Strassenverbindungen werden soll, dann muß etwas geschehen.

Und es könnten hier auch die Arbeitsagentur und das Jobcenter eine gute Rolle spielen, wenn die vielen Menschen über 50 und die nicht versorgten Jüngeren systematisch mehrere Jahre sozialversichert öffentlich geförderte Arbeit erhielten

  • bei der Umgestaltung,
  • bei der Neuausrichtung von Läden,
  • bei kulturellen Projekten,
  • beim Umgang mit Alter und Jugend
  • etc.

Man stelle sich vor hundert Nationen  werden in einem Projekt sozialversichert beschäftigt, das zum Ziel hat, die Integration einer Stadt strukturell zu stabilisieren. Daraus wächst Zukunft und es wäre für Frauen und Männer in Arbeitslosigkeit oder nach der Kindererziehung eine echte Chance.

Damit entlasse ich meinen sehr realistischen Traum für eine gute Zukunft von Remscheid in die Öffentlichkeit.

Möge er dort ankommen, wo er wirken kann.