Als ich darum bat, mit dem Blog 1214.wupperart.de in den Verteiler der Stadt Wuppertal für Medien aufgenommen zu werden, erlebte ich ein Überraschung.

Man teilte mir vom städtischen Presseamt folgendes mit:

„Wir beliefern Redaktionen (Hörfunk, Print, TV, Online-Medien). Ihre Homepage wupperseiten ist eine Fotodokumentation des Bergischen Landes. Aber regelmäßige, redaktionell bearbeitete Texte gibt es nicht. Aus diesem Grund können wir Sie leider nicht in unserem Medienverteiler aufnehmen.“

Ach so?

Das führt zu einer Reihe von Fragen.

Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist für das Presseamt der Stadt Wuppertal im Jahre 2013 nur dort Journalismus zu finden, wo es sich um „redaktionell bearbeitete Texte“ handelt?

Das bedeutet ja im Umkehrschluß, dass alle Bildjournalisten und alle erstellten Fotoreportagen kein Journalismus sind. Und das im Zeitalter der digitalen Medienwelt.

Hallo?

Eigentlich hat eine Redaktion ja die Aufgabe, Informationen in eine zur Veröffentlichung geeignete Fassung zu bringen, wie es so schön schon in der wikipedia steht.

Informationen können als Texte, Fotos oder Videos vorliegen – zumindest bin ich bis heute davon ausgegangen. Und die Redaktion besteht dann darin, die Fotos – und falls erforderlich entsprechende Texte – als z.B. (Foto-)Reportage in einem Artikel zu publizieren.

Es gibt in der wikipedia sogar einen Artikel, der darstellt, welche journalistischen Darstellungsformen es gibt.

Die Stadt Wuppertal scheint im Presseamt aber irgendwie eine andere Richtung einzuschlagen.

„„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Dies steht in unserem Grundgesetz, in Artikel 5. Dort steht ausdrücklich drin, dass es auch Bilder gibt, die man verbreiten darf…

Und nun  zu den redaktionell bearbeiteten Texten.

Es stimmt, 1214.wupperart.de ist als Fotomagazin für lokalen bzw. regionalen Journalismus angelegt. Aber redaktionell bearbeitete Texte oder sogar selbst erstellte Texte sind doch hier mehr als genug zu finden – nur nicht so viele wie in einem reinen Textmagazin.

Allein dieser Artikel ist doch wohl bearbeiteter – besser selbst erstellter – Text pur. Nun gebe ich zu, dass einige meiner hier publizierten Artikel in die Kategorie Satire gehören, weil so besser ein realer Zustand benannt werden kann. Aber auch das ist Journalismus.

Besonders bemerkenswert finde ich aber, dass ausgerechnet nach der Fotoreportage über die Demo gegen Rassismus in Solingen mir dies widerfährt. Dann ist also der Bericht und die Auswahl der Fotos von mir kein Bildjournalismus, der eine Geschichte erzählt, ein Ereignis begleitet und dies alles darstellt?

Mama mia!

Nun kommen wir noch zu einer anderen Frage: warum will ich in den Presseverteiler?

Das ist eigentlich ganz einfach. Weil ich über einige Ereignisse berichten möchte – und zwar hauptsächlich mit Fotoreportagen.

Dazu gehören aber eben genau solche Mitteilungen eines Presseamtes, damit man auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein kann, um Fotos zu machen.

Und wenn die Weitergabe solcher Informationen nicht zur Pressefreiheit gehört, dann weiß ich nicht mehr, wo ich bin.

Natürlich mache ich mir mit solch einem Artikel nicht nur Freunde, aber auch das gehört zur Pressefreiheit. Ich kann es auch nicht ändern, wenn die Stadt Wuppertal hier so vorgeht. Aber umgekehrt kann ich mir nicht vorstellen, dass die Auffassung der Pressestelle der Stadt Wuppertal überall dort geteilt wird.

Vielleicht ist es ja auch ein Lernprozess.

Hinweis im April 2014:

Dieser Artikel wird interessanterweise von immer mehr Menschen gelesen. Die letzten Monate fand dieser Artikel jeden Monat einige tausend Leser. Ich bin übrigens immer noch nicht im Verteiler. Ich vermute, man will nicht, daß ich Fotos mache. Da frage ich mich doch, was könnte ich zeigen, was andere vielleicht nicht zeigen?

Ich habe den Eindruck, die Stadt Wuppertal behindert meine Pressearbeit offenbar so gut es geht durch das Weigern mich zu informieren. Ich dokumentiere dies einfach hier.

Auszug aus dem Landespressegesetz NRW:

„§ 3 Öffentliche Aufgabe der Presse

Die Presse erfüllt eine öffentliche Aufgabe insbesondere dadurch, daß sie Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt, Kritik übt oder auf andere Weise an der Meinungsbildung mitwirkt.

§ 4 Informationsrecht der Presse

(1) Die Behörden sind verpflichtet, den Vertretern der Presse die der Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgabe dienenden Auskünfte zu erteilen.“

Nachtrag:

Zuguterletzt ist dieser Artikel Teil eines Kunstprojektes geworden und dokumentiert als politische Kunst Realität und Verhalten eines Teils der politischen Klasse vor Ort.

Allerdings kann dies alles noch eine ganz andere Dimension haben. Wenn die Stadt  nur die Fotojournalisten informiert, die ihr genehm sind, dann gibt es auf dem Markt für Fotos im lokalen Bereich auch nur einen oder zwei Fotografen, die Fotos machen und sie verkaufen. Das wäre dann eine Symbiose, um sich ungeliebte Konkurrenz vom Halse zu schaffen und/oder Kontrolle über die Tätigkeit des Fotografen zu haben. Soll ja vorkommen!

Text 1.6