Man könnte die Frage stellen, ob es Kunst von Asozialen ist. Da ich das nicht beantworten kann, frage ich auch nicht. Aber das Ergebnis ist asoziale Gruppenkunst.

Es ist das Ergebnis von vielen einzelnen Menschen, das insgesamt zu dieser temporären Installation geführt hat. So sieht es aus, wenn Menschen im öffentlichen Raum mitmachen.

Man hätte das ja auch wegmachen können oder einmal keine Zigarette rauchen können oder die Zigaretten 50m weiter in die Aschenbecher werfen können (oder einfach die Pappbecher im Papierkorb zusammendrücken können).

Alles was da zusammengekommen liegt, ist das Ergebnis bewußter Entscheidungen einzelner Personen, die gesehen haben, was vorher schon da lag.

Daher ist das Gesamte eine bewußte Entscheidung vieler Menschen, die sich nicht kannten: anonyme Gruppenkunst.

Gerade wenn man näher rangeht und die Perspektive wechselt erschließt sich die ganze Pracht und Feinheit bis hin zu dem wunderbaren Schild der Besitzer dieses Papierkorbs.

bim15x

Wo bleiben eigentlich die Wissenschaftler?

Da heute Wissenschaft ja neu verstanden wird, wird es sicherlich bald Sozialwissenschafter geben, die sich auf die Lauer legen und dann mit Fragebogen bewaffnet die Personen fragen werden, ob sie sich durch das Wegwerfen der Zigarettenkippe als Bestandteil einer Gruppe von Künstlern fühlen, die durch ihre Form der Dreckentsorgung etwas ganz Neues schaffen oder ob es eher ein unbewußter Akt war oder Ausdruck einer schlechten Erziehung oder einer gestörten Kindheit. Vielleicht gibt es dann sogar Lehrgänge für das richtige Befüllen von Papierkörben beim Jobcenter und eine entsprechende Betreuung durch ausgebildete Sozialpädagogen – wer weiß. In jedem Fall wird sich dadurch dann ein neuer Zweig der Wissenschaft entwickeln, der durch Befragen die Wirklichkeit wissenschaftlich untersucht und meiner Vermutung nach dann dazu kommen wird, dies alles hier als Ausdruck sozialer Akte zu sehen und für die Aufarbeitung bei der EU Fördergelder zu beantragen – oder so.

 

Ist es Kunst?

Wie kann man Kunst und Dreck auseinanderhalten?

In dem verlinkten Artikel steht „Kalk- und Fettflecken können Kunst sein, wenn damit eine Aussage verbunden ist. Mit dem Fett wollte Beuys zum Beispiel ein Werk schaffen, das seine Farbe und Konsistenz verändert, das „lebt“ und – genauso wie der Mensch – irgendwann nicht mehr da ist.“

Zudem ist das hier ein Beispiel für Schwarmintelligenz. Darüber lohnt es ich dann auch noch vertieft nachzudenken.

In jedem Fall ist das Foto Fotokunst, weil es diese temporäre Installation von Schwarmintelligenz festgehalten hat als Beweis dafür, daß das Ergebnis von vielen Einzelentscheidungen sichtbare Veränderungen im öffentlichen und privaten Raum schafft.