Stadtmarketing und Nazikultur – Remscheid kaum zu toppen

Und du dachtest schon, es ist vorbei …

Die ganze Schönheit ist am Zentralpunkt so zu sehen:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Interessant wäre jetzt zu wissen, welche Auswirkungen es auf Autofahrer hat, wenn sie an einer Ampel in das Maul eines zähnefletschenden Löwen schauen?

Da das Denkmal für die luftige Höhe in der Nazizeit gemacht war, war damals die direkte Begegnung von Angesicht zu Angesicht nicht vorgesehen.

„Dieser „bergische“ Löwe war als Monument des Hitler-Deutschlands gedacht, das „die Bewohner unserer Stadt allezeit an die Großtaten des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler“ erinnern sollte (RGA vom 11. März 1939).”

Es soll also an die „Großtaten“ erinnern. Das wären doch die Verfolgung Andersdenkender, die Ermordung der Juden, die Vernichtung „unwerten“ Lebens und vieles mehr. Oder habe ich da was falsch verstanden?

Nun können wir an den verkehrstechnisch „erlesensten“ Stellen von Remscheid die Geschichte neu verpackt anschauen.

Mit dem Bergischen Löwen als regionales Symbol aus dem Herzogtum Berg hat das nichts zu tun.

Der „echte“ Bergische Löwe ist im Herzogtum Berg seit 1225 ein doppelschwänziges Wappentier: „Im Gegensatz zum Remscheider Löwendenkmal steht der Bergische, (Limburger) immer mit ganzer Figur aufrecht, mit spielerisch erhobenen Vorderpfoten; parallel zu seinem Rücken bilden die Spitzen seiner beiden Schwänze eine tänzerische Bewegung – nichts hat dieses höfische Wappentier gemeinsam mit der martialischen Gefährlichkeit des Remscheider Denkmal-Löwens, der eine ganz andere und viel jüngere Geschichte hat.“

Das Denkmal auf dem Rathausplatz in Remscheid ist der „Bergische Löwe“ der Nazis, ein Nazimonster.

Das ist Stoff für viele Fotos, die beredte Beispiele abgeben – jetzt und in Zukunft.

Abgesehen davon stört dies offenkundig weder Juden noch Muslime oder andere damals verfolgte Gruppen wie Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Kommunisten oder Christen.

In der Lebenswirklichkeit wurde die Geschichte des Nationalsozialismus in Remscheid nicht aufgearbeitet.

Dies wird hier gerade noch einmal dokumentiert – wer weiß wozu …

Daneben gäbe es auch noch andere Aspekte zu beachten, auf die aber schon hingewiesen wurde.

Ich möchte dies alles visuell abschließend so kommentieren:

Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Da steckt alles drin.

Falls Sie an einer vertieften fotografischen Auseinandersetzung mit dem Thema interessiert sind, dann klicken Sie bitte auf diesen Text hier.

Text 1.3

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1 Kommentar

  1. Die unsägliche Nazi-Herrschaft sollte jedem Deutschen in jeder deutschen Stadt bewußt sein, alleine damit sich diese schreckliche Zeit nicht aus Unwissenheit wiederholt. Neue Nazis stehen leider schon wieder bereit.
    Der Löwe als Wappen hat eine sehr lange Tradition. Die Grafen von Berg übernahmen das Wappentier von den Limburgern Grafen bereits im 13. Jhdt., und ist in vielen Kreis- und Gemeindewappen zu finden. Wenn dieses alte Wappentier, ebenso wie die damals bereits bestandenen Autobahnen und Volkslieder, von den Nazies zu ihren Zwecken missbraucht wurde, ist dies ärgerlich, aber sicher nicht unbedingt seine Schuld.
    Wenn Remscheid und viele Städte und Gemeinde diese alte Heraldik weiterleben lassen, glaube ich nicht, das damit die alte Naziherrlichkeit gepflegt wird. Geschichte sollte selbstverständlich bewußt sein, um nicht verantwortungslos trotzdem Fehler zu begehen.

    Gruß aus Wuppertal, auch einer Stadt mit einem Löwen im Wappen.

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